2- von Warnemünde nach Kröslin

Nachdem die AIDA hupend vor meinem Bug vorbeifuhr, hielt ich es auch nicht mehr im Hafen aus. Ich muss die Ostsee weiter erkunden. Die Wetteraussichten waren jetzt nicht so prickelt, aber der lange Schlag nach Barhöft sollte doch gelingen. – Pustekuchen – Nach zwei Stunden Segelspaß war nichts mehr zu machen. Und wieder sollte mein Außenbordmotor alles retten. Stundenlanges getucker gehen schon an die Nerven und so habe ich um 17 Uhr den Nothafen Darßter Ort angesteuert. Es wären noch gut sechs Stunden nach Barhöft, die ich nicht mehr schaffen konnte.

Die Nacht im Nothafen, der im absoluten Naturschutzgebiet liegt, war schon ein Erlebnis. Absolute Ruhe, die nur gelegentlich leise von der Dieselheizung des Seenotrettungskreuzers unterbrochen wurde. Über was sich die beiden Schwalben, die auf meiner Windex sitzen, unterhielten kann ich nicht verstehen, aber das Möwenpaar auf dem Steg war auch für mich erkennbar in einer eindeutigen geschäftigen Situation. Und die ersten Mücken tauchten auf, wobei ihr Flügelschlag mir schon noch sehr gemächlich vorkam.

Morgen ging es dann wieder unter Motorengeknatter weiter, bis der Wind und der Nebel kam. Gespenstisch – das sind Situationen die ich nicht mehr brauche. Ich konnte den Gennaker setzen und hoffte das große bunte Tuch werden andere Schiffe sehen. So segelte ich Stunde um Stunde in der milchigen Suppe und alle meine Sinne auf höchsten Empfang verpflichtet. Da geschah es. Hinter mit platsche es. Was war das? Ein Schweinswal hatte ich als Begleiter, der sicher auch genauso Schiss hatte wir ich. Hatte aber den Nachteil, dass sich meine Sinne nicht mehr so auf ander Schiffe konzentrieren konnten. Der Wal konnte in Gefahrensituation einfach wegtauchen, für mich wäre das fatal. Dann hätte ich bald die Tonne 1 der Vitter Bucht gerammt, so genau ist der Plotter – misst, beim nächsten mal setze ich den Wegpunkte daneben. Dann die Fock hoch und hoch am Wind, der zu meiner Freude auch den Nebel ein wenig wegblies, sodass ich den Leuchturm Dornbusch erkennen konnte. Gerettet. In solchen Situationen erkennte ich erst wie klein und hilflos ich eigentlich bin, aber mit dem sicheren Gefühl: da ist etwas, was mich nicht alleine lässt. 

 

Endlich in Kloster angekommen hatte mich die Welt wieder und der Fischer Willi neben mir rief zu einer geräucherten Flunder mit Störtebecker Bier auf. Ist schon eigenartig, dass es mich nach so einem Erlebnis nach (ins) Kloster nach Hiddensee verschlagen hat.

 

Da ich nach dieser Aufregung ein Päuschen brauchte, legte ich einen Wandertag auf Hiddensee an. Es ist sehr schön hier. Keine privaten Autos und eine außergewöhnlich schöne Landschaft.

Dünenmoorheide und Sandstrand haben mich schon an meine Konditionsgrenze gebracht.
Aber Abends habe ich mich mit Doschfilet Hiddenseeer Art mit Sanddornchremesoße belohnt. Mhhh

 

Morgens ganz früh ging es dann weiter nach Stralsund. Das Gennakersegeln beschränkte sich auf nur wenige Streckenabschnitte, da die ausgebaggerte Fahrrinne sehr eng ist und entgegenkommende Fährschiffe halt Platz brauchen. Zum Teil standen die Schwäne am Fahrrinnenrand im Wasser. Also kein Segelrevier für eine 806. Dann sah ich eine Kirche dreimal am Horizont. War das Bier in der Gaststätte schlecht gewesen, oder gibt es ein Wetterphänomen? Nein, das sind alles Gebäude in Stralsund wie sich später feststellte.
Im Hafen erwarte mich schon Janett und Wolfgang, um die Aphrodite und mich unter die Lupe zu nehmen. Wir haben einen sehr schönen Nachmittag mit „Rock- Burger“ im nahen Restaurant verbracht.

Dann traute ich meinen Augen nicht, als mir „SEAMAN“ der Wetterfrosch eine drastische Wetteränderung vorhersagte. Was blieb mir übrig, als den Sturm in Stralsund abzuwettern.

Der Tag im Ozeaneum war eine beeindruckende  Erfahrung, die keinen der in Stralsund ist sich entgehen lassen muss. Es wird mich sehr lange beschäftigen und auf ein Fischbrötchen am Kutter danach, ist mir gehörig der Appetit vergangen. Bei einem Gespräch mit einem Tierpfleger, der nicht glauben wollte, dass uns ZWEI Schweinswale begleitete haben, musste ich dann als Beweis Steffens Filmchen hergeben. Kommt wohl so normalerweise nicht vor.

Der folgende Tag war ganz Rügen gewidmet. Mit dem Bernsteinticket ging’s nach Zingst und per Pedes zu den Kreidefelsen.

 

Dann kam die Entscheidung ruppiges Wetter in Kauf zu nehmen um weiter zu kommen oder in den HanseDom zum Schwimmen zu gehen. Wenn ich in den HanseDom gegangen wäre, dann hätte ich nun sicher keine dicke Beule am Kopf  und wäre nun völlig durch den Quark. Denn es war schon sehr grenzwertig und hat mich, das Boot eher nicht, an die Grenze des Erträglichen geführt. Bei einer Geschwindigkeit von 10,5 Knoten, mit einer vollkommen beladenen 806, über die Wellen zu surfen ist ein Erlebnis an der Grenze zum Wahnsinn. Beim Versuch Einzureffen kam es dann zur berüchtigten Patenthalse und dann bestätigte sich mein Vorsatz: „Immer angeleint an Deck“. Ansonsten läge ich jetzt im Greifswalder Bodden aber ohne Beule und geprelltem Knie. Ich schrie laut „Hilfe“. Nun, andere Boote können es nicht gehört haben, es gab keine in der Nähe, aber des half mir trotzdem mich wieder zu enttüddeln.
Dann befolgte ich Wolfgangs Rat, nicht das enge Fahrwasser nach Peenemünde zu nehmen, sondern das Hauptfahrwasser, was ein Umweg bedeutet. Bei meiner Geschwindigkeit zweitrangig, aber nach der Tonne musste ich hoch am Wind. So viel Salzwasser auf dem Vordeck und in meinem Gesicht  gab es bisher noch nicht. Anscheinend fand nur ich dies unangenehm.
Im Peenestrom beruhigten sich die Wellen aber nicht der Wind. Es war eine Tortur die Segel runter zu holen und alles klar zum Anlegen zu machen. Nach dem wir (Aphrodite und ich) am Steg fest lagen, musste ein Flenz dran glauben. War ja auch eine Schapszahl auf der Logge: 222 Seemeilen.