
Nachdem ich die provisorische Zufahrt über Hinterhöfe und angeschüttete Abfahrten mit dem Gespann zum Hafen Kröslin geschafft hatte, da die Durchfahrtsstraße erneuert wurde und daher gesperrt war, winkte der Hafenmeister und wies mir einen Platz unter dem Kran zu. Somit stand dem Krantermin am anderen Tag um 8:00 Uhr nichts mehr im Wege.

Da küsste die APHRODITE dann endlich wieder die Ostsee, und das Aufriggen konnte beginnen. Auch schaffte ich die Einkaufsfahrt zum Netto nach Wolgast. Aber wie verstaue ich das alles bloß? Am nächsten Tag war „Herrentag“ – so wird Vatertag hier genannt – und schon zur Mittagszeit wurde ich beim Arbeiten am Schiff mit Livemusik vom Hafenrestaurant mit Außengrill begleitet. Ich hatte es aber trotzdem geschafft, und am nächsten Morgen ging es bei Sonnenschein an der südlichen Rügenküste vorbei nach Sassnitz.

Am Folgetag sollte es nach Bornholm gehen. Doch nach der Hafenausfahrt war erst einmal Schluss, da ich fast eine Stunde brauchte, um den vertüdelten Gennaker wieder zu bergen – und das peinlicherweise unter den interessierten Blicken der Urlauber auf der Mole. Dann ging es trotzdem ohne Gennaker los.

Manchmal wird aus einem kaum lösbaren technischen Problem etwas Gutes.
Diese Erkenntnis gewann ich, als mein defekter AIS-Sender nicht mehr die Position und Daten der APHRODITE an alle versendete. Zwischen Deutschland und Dänemark werden große Windkraftanlagen betrieben und neue errichtet. Der Seeweg von Rügen nach Bornholm lässt da kaum noch eine Lücke für Segler frei. Nach meiner – ich gebe zu, etwas älteren – Seekarte gab es eine Möglichkeit, und auch ORCA, eine aktuelle Navigations-App, zeigte sie an. Ich segelte am alten Windpark vorbei und wunderte mich in der Ferne über die gelben Tonnen. Es waren keine Tonnen, sondern die neuen Fundamente für weitere Windkrafträder. Ich war fast durch, da hörte ich über Funk: „… with black sails …“. Damit konnte nur ich gemeint sein. Und schon kam kaum außerhalb der Baustelle ein Schnellboot, um mich zu fotografieren.

Im Hafen von RØNNE erzählte mir ein Paar aus Maasholm, dass sie angefunkt worden waren mit der Aufforderung, das Seegebiet zu umfahren, was ihnen zwei Stunden mehr Segelzeit eingebracht hatte. Da ich bereits zwölf Stunden gebraucht hatte, war ich froh, dass mir ein funktionierendes AIS nicht noch eine große Schippe draufgelegt hätte.
Bornholm galt früher als Lieferant von Granitsteinen. Große Steinbrüche sind heute noch zu sehen. Ich erwähne es, weil diese Steine mit Schmalspurbahnen zu den Häfen transportiert wurden. Diese Bahnen wurden durch die Erfindung des LKWs überflüssig. Und was machten die Dänen? Sie bauten die Trassen auf der ganzen Insel zu Fahrradwegen um. Ein gigantisches Netz. Dies animierte mich, mit einem geliehenen Fahrrad den Südteil zu erkunden.
Das war ein berührendes Erlebnis: das Zwitschern der Vögel zu hören und den Duft blühender Felder in sich aufzunehmen. Hasen in Reichweite, die nur sehr uninteressiert hinübersahen.

Ich bin davon überzeugt, dass ein großer Teil der Einwohner Bornholms Landwirte sind und die Frauen töpfern oder andere „Tütelsachen“ herstellen, um sie zu verkaufen.


Mein erstes Ziel war die Rundfestungskirche Østerlars Kirke. Sie wurde kreisrund mit dicken Mauern und innenliegender Festung gebaut, um den Menschen bei Überfällen Zuflucht zu bieten.

Als ich gerade ankam, fingen die Glocken an zu läuten. Wahnsinn – als ob es ein Zeichen gewesen wäre. Nach ein paar Außenaufnahmen wollte ich auch den merkwürdigen Innenraum sehen, wo mich gleich die nette Küsterin vereinnahmte, mir ein Gesangbuch gab, und dann fing der Gottesdienst schon an. Altlutherisch – das konnte kein Zufall gewesen sein.


Anschließend, gestärkt, radelte ich an die Ostküste und schaute mir die Häfen an, die ich eigentlich anlaufen wollte, wenn der Wind entsprechend geblasen hätte. Aber als Segler muss man einfach flexibel sein.

In RØNNE ist jetzt nicht der traumhaft schöne Hafen, denn jedes Mal, wenn die Schnellfähre nach Ystad vorbeikommt, werde ich von den Wellen, die sie verursacht, quasi aus der Koje geschmissen.

Ich habe die Segel gehisst, und es ging um das nördliche Kap an der Festung Hammershus vorbei nach Gudhjem – einem in den Felsen gesprengten Hafen, der die Fähre nach Christiansø beheimatet. Diese hätte mich beinahe versengt, wäre da nicht ein Mitarbeiter an Land gewesen, der mir zuwinkend klarmachte, schnell in das südliche Hafenbecken zu fahren. Denn hinter mir sah ich das Monsterteil schon heranrauschen. Puh, da lies ich den sonnigen Abend mit „einen“ Bier ausklingen.

Es dauert schon eine Weile, bis man sich wieder an das Bordleben gewöhnt hat und Fragen auftauchen wie: „Wo waren noch mal die Eier?“, „Wo die Schuhe?“ oder „Ist es nicht günstiger, die Pullover dort hinzulegen?“ – und man sich permanent den Kopf anstößt. Aber das schaffe ich schon.

Morgens, nachdem die Fähre den Hafen verlassen hatte, machte auch ich mich auf den Weg nach Christiansø. Mangels Wind ging es zweieinhalb Stunden unter Motor – was auch gut so war, da ich Wasser unter den Salonbänken entdeckte. Es lief immer wieder nach, und ich befürchtete schon Schlimmes. Da erinnerte ich mich, dass dies schon einmal geschehen war: Die Ursache damals war ein Wassereinbruch in der Backskiste. Voller Panik machte ich die Kiste auf, und auch dort stand Wasser am Boden. Beim Ausräumen hatte ich den Übeltäter schnell gefunden: Der neue Wasserkanister war undicht. Mann, was war ich froh, den Fehler gefunden und beseitigt zu haben.

Und Heini (meine Selbststeueranlage) brachte uns dann bei bestem Sonnenschein nach Christiansø.

Christiansø und Frederiksø gehören zu den „Erbseninseln“ und sind die östlichsten Inseln Dänemarks. Die Festungsinseln unterstehen dem Verteidigungsministerium, aber die ehemaligen Kasernen werden heute von 72 Einwohnern bewohnt. Eine Vielzahl von Touristen kommt hier im Zwei-Stunden-Takt an und lässt sich von der Idylle beeindrucken.

Ich fragte mich schon, wie die Kinder in die Schule kommen, denn die erste Fähre fährt erst um 10 Uhr. Diese Inseln bei herrlichem Sonnenschein erleben zu dürfen, ist schon ein Geschenk. Nur darf ich hier meine Drohne nicht steigen lassen – strengstens untersagt.

Morgen soll der Wind gut sein, um nach Utklippan zu kommen. Schweden ruft also. Aber das ist eine andere Geschichte.
