Dann ging es morgens los nach Schweden. Erst mit Motor um die Insel Frederikes, dann wurden die Segel gesetzt, und plötzlich tauchten Felsen auf, wo eigentlich keine sein sollten. Beim Näherkommen rieb ich mir die Augen: Es war eine Robbenfamilie, die mich ein Stück begleitete.

Den ganzen Tag mit 60 Grad am Wind bei Stärken von 4–5 Beaufort und nicht unter 6 Knoten Fahrt – das wurde sehr anstrengend. Sonne, aber sehr kalter Wind. Also alles anziehen, was geht. Trotz hoher Wellen schaffte es mein Pinnenpilot „Minna“, mir kurze Aufenthalte unter Deck zum Aufwärmen zu ermöglichen.
Schon von Weitem sah ich die „Autobahn“ für Frachtschiffe, Tanker und Fähren. Da ich ja kein AIS sendete, hielt ich mich in der Nähe eines polnischen Seglers. Es hat geklappt, obwohl mir die Finnlandfähre schon recht nah kam.

Als Utklippan backbord voraus erschien, sah ich im Hafenhandbuch, dass es dort eine chemische Toilette und Strom nur in der Saison verfügbar war und kein Wasser vorhanden ist. Also gönnte ich mir weitere zwei Stunden bis nach Torhamn, wo ich schon wusste, dass dies nicht der tollste Hafen ist. Aber bis nach Bergkvara war es zu weit – dort lief ich erst am Folgetag ein.

Da gab es nach dem Entrichten der Hafengebühr erst einmal ein Kaffee mit Zimtschnecke umsonst. Was für ein Empfang in Schweden.

In Kalmar ist die Universität, die sich um den Gästehafen zieht, fast fertig. Es ist schon komisch, wenn die Studenten*innen beim Diskutieren auf dein Schiff sehen und im Vorbeigehen winken.

In Schweden ist der Sprit billiger als zu Hause – das habe ich noch nicht erlebt. Ansonsten sind die Preise wie in Holland, nur für Gemüse nicht. Dass ich niemanden sah, der Pfandflaschen sammelt, liegt wohl am Pfand von nur zwei Cent. Aber leider ist Alkohol immer noch doppelt so teuer wie zu Hause. Aber ich werde schon klar kommen hier in Schweden.
Ich zog mir die kurze Hose an und machte mich auf zur Stadtbesichtigung. Im Schloss wurde geheiratet, also war nur eine eingeschränkte Besichtigung möglich.

Dafür war das Fest der Kalmarer Kunstschule für Kinder ein erfreuliches Erlebnis auch für mich.


Klar musste es wieder ein Eis vom kleinen Stand auf dem Marktplatz sein. Jetzt aber eilig zurück, denn die Sauna wartet auf mich und ich wollte mal richtig kochen.
Da kam ein älterer Mann an meinen Bugkorb und fragte, wo ich hinwolle. Ich sagte stolz: „Haparanda.“ Seine Antwort: „Noch so ein Idiot. Da ist es nicht schön, und die Fahrt dorthin auch nicht. Aber wenn Sie sich ein sportliches Highlight setzen wollen … ich rate ab. Bleiben Sie lieber an der schwedischen Küste.“
Nun ja, dieser Spruch hat mich schon nachdenklich gemacht. Aber ich ließ mich nicht bange machen, denn am nächsten Morgen ging es nach Borgholm auf Öland. Vorbei am Sommersitz der Königsfamilie und an der Festungsruine hinein in den Hafen.

Aber was war das? Bezahlautomat abgebaut, kein Strom, kein Wasser – und, was noch schlimmer war, nur eine öffentliche Toilette. Alles steckte noch mitten im Renovierungsstress. Auch die Stadt wirkte an diesem Sonntag ziemlich ausgestorben, und so legte ich schon früh nach Byxelkrok am nördlichsten Zipfel von Öland ab und erreichte es, obwohl am Schluss mangels Wind die alte Dünung eine heftige Schaukelei verursachte. Hier war alles im Lot und die Kapelle St. Olof stand immer noch, um dort gleich für „fair wind and a following sea!“ zu bitten.

Das bewahrheitete sich am nächsten Tag, als ich um 4:30 Uhr von Öland lossegelte. Zudem fand ich gute Windbedingungen vor, um die 45 sm in 9 Stunden zu schaffen. Es war schon recht schaukelig, was bei jedem ungeübten Segler dazu geführt hätte, den Mageninhalt über Bord zu werfen.
Aber ich sah schon von Ferne Gotland, meine Lieblingsinsel, auf mich zukommen und freute mich auf die herrliche Stadt Visby. So leer hatte ich den Hafen noch nie gesehen, und somit war ich beim Anlegen auf mich gestellt. Beim Einklarieren sagte der Hafenmeister zu mir: „Du warst schon mal hier, denn so schöne Segelschiffe merke ich mir.“ Was für ein Kompliment!

Den heftigen Wind in den nächsten Tagen werde ich in Visby, einer beeindruckenden Stadt, in der man sich in die Zeit der Hanse zurückversetzt fühlt, abwettern. Da hier im Zweiten Weltkrieg keine Kampfhandlungen stattgefunden haben, sind die Gebäude, Kirchen und Gässchen erhalten geblieben. Es ist so schön und liebenswert hier, dass ich die strapaziöse Reise schnell vergesse. Von Kröslin bis hierher waren es 305 sm oder 565 km.

Noch ist es auf der beliebtesten Ferieninsel der Schweden recht übersichtlich, aber bald werden die Cafés, Lokale und Gaststätten übervoll sein. Ich schlendere durch die Gassen und kann kaum meine Kamera aus der Hand legen. – Toll

